Schon immer haben Menschen ihre Meinung der Welt kundgetan, wo es früher griechische Denker und Philosophen waren, ist es heute oftmals die Spezies der sogenannten “Blogger”. Philosopherei beschäftigt sich mit nichts mehr und nichts weniger als das Leben selbst.

Man braucht keinen Winter für Weihnachten

Die Feiertage sind vorbei, jetzt schneit’s. Was sich viele wünschen würden – Weiße Weihnachten – wurde in den letzten Jahren zum eher seltenen Naturschauspiel. Auch die Temperaturen haben nicht so ganz zum Fest der Liebe gepasst, es wollte einfach nicht kalt genug werden, um sich bei Glühwein und Ofenkartoffel an Weihnachtsmärkten wärmen zu können. Trotzdem wurden, wie jedes Jahr, die Kaufhäuser geplündert und die Adventmärkte gestürmt, keine Maroni blieb auf der anderen und der Realität zum Trotz wird laut „Leise rieselt der Schnee“ geträllert. Wir haben gelernt, uns vom Wetter unabhängig zu machen. Wir gehen bei Regen joggen, sonnen uns auf der Skipiste und rodeln im Sommer, warum dann die Stimmung von grünen Wiesen und strahlendem Sonnenschein mit herbstlichen Temperaturen zu Weihnachten vermiesen lassen?

Ein bisschen arg ist es schon, wenn man darüber nachdenkt, was uns da so vorgegaukelt wird. In Wien öffnen die Weihnachtsmärkte Mitte November, zugegebenermaßen, manchmal gibt’s da mehr Schnee als dann zu Weihnachten. Aber auch kreative Köpfe haben daran zu kauen, was ein Adventmarkt vor der Adventszeit zur besinnlichen Stimmung beträgt. Natürlich ist es nett, wenn was los ist, aber dieser Prämisse folgend meine Frage: Warum bauen wir den Markt nach Weihnachten dann ab? Lasst ihn stehen bis nächsten November, die Leute werden auch im Sommer handwerkliche Erzeugnisse erwerben und Langos essen. Wir müssten nur das „Weihnachts“ aus Weihnachtsmarkt streichen, und schon haben wir etwas Neues fürs ganze Jahr gewonnen. Das gibt’s sicher noch nicht!!! 

Aber ja, die Besinnlichkeit würde da natürlich verloren gehen. Sich besinnlich durch Menschenmengen zu graben, dann friedlich in der Schlange zum Stand’l der Wahl stehen, feierlich viel mehr als normal für das gleiche wie immer auf den Tisch legen und dann glücklich den Konsum feiern. Wo würde denn die Besinnlichkeit bleiben, wenn wir plötzlich keine Adventmärke mehr hätten. Man stelle sich gar vor, man würde das Sortiment auf alkoholische Heißgetränke und Kartoffelspeisen beschränken, von den Glühweinstädten und Kartoffelpufferdörfern blieben nur noch einzelne Häuschen stehen. Besinnlichkeit schaffen Geisterstädte nun auch nicht, da braucht man Glitzern und Funkeln, kunterbunte Lichterketten, die dem Neuen Jahr den Weg leuchten und natürlich die Weihnachtslieder, am besten ein Remix und gesungen von Helene Fischer.

Ich mag Weihnachten, zu Hause mit der Familie zu feiern oder auch einmal mit Freunden kurz vor dem großen Fest auf einem dieser Märkte das ein oder andere Häfer’l zu schlürfen. Das besinnt man sich auf das wichtigste im Leben, Menschen, mit denen man es teilen kann. Früher war nicht alles besser, aber früher wurden Glühwein und Adventmarkt quasi als Synonym verwendet, heute wird man halt gefragt, welchen man gerne hätte. Da ist dann freilich für jeden Geschmack etwas dabei, denn nüchtern betrachtet braucht man nichts Warmes, wenn‘s draußen nicht kalt ist.

#Walrus.Joey