Schon immer haben Menschen ihre Meinung der Welt kundgetan, wo es früher griechische Denker und Philosophen waren, ist es heute oftmals die Spezies der sogenannten “Blogger”. Philosopherei beschäftigt sich mit nichts mehr und nichts weniger als das Leben selbst.

Frohes Neues

Das neue Jahr ist da, schon eine Woche ist’s alt. Die Raketenreste wurden aufgesammelt wo nötig – beim Wiener Rathaus also nicht – und der Feinstaub hat es sich statt einer Schneedecke auf Wien gemütlich gemacht. Jetzt dürfte auch der letzte Rausch vom Nachsilvester überstanden sein und nun stehen wird vor der überwältigenden Frage: „Was jetzt?“

Denn es gibt genau zwei Arten von Menschen, die auf der blauen Kugel genannt „Erde“ wandeln: Diejenigen, die der Meinung sind, dass das letzte Jahr scheisse war und die, die es gut gefunden haben. Möglicherweise gibt es auch eine Randgruppe, denen Silvester und das ganze Tamtam darum komplett am Arsch vorbei geht, aber was sind denn das für Menschen, die sich das einzige Event des Jahres bei dem Pyrotechnik und Alkohol gepaart verwendet werden können, entgehen lassen?

Behandeln wir doch als erstes die Glückspilze, die das Jahr 2019 verschont hat. Da gab es dann sicher das ein oder andere herausstechende Ereignis, das einem die 365 Tage versüßt hatte. Vielleicht endlich die Traumfrau getroffen oder den perfekten Job gefunden? Vielleicht ist man ja sogar Mutter oder Vater geworden, warum nicht? Auf jeden Fall ist viel Gutes passiert und da ist es nur natürlich, sich eine Fortsetzung dieser Glückssträhne zu wünschen. Doch genau hier kommt die Gier ins Spiel, die Gier nach immer noch mehr Glück und schönen Erlebnissen. Man kann seinen Traummann nicht mehr kennenlernen, wenn man schön glücklich mit ihm verlobt ist. Auch wird man keinen Job finden, der einen richtig erfüllt, wenn man in diesem schon beschäftigt ist.

Man kommt leicht in die Versuchung, alles Gegebene als selbstverständlich zu erachten und immer mehr und Neues zu wollen, doch das geht manchmal gar nicht. Wenn du also einer dieser Menschen bist, die ein tolles Jahr 2019 hatten, dann wünsche ich dir, dass du die guten Dinge, die dir im alten Jahr widerfahren sind, auch noch im Neuen zu schätzen weißt.

Doch dieser Gruppe gegenüber steht die Horde der 2019-Pessimisten, die mit hoffnungsvollem Blick und offenen Armen dem neuen Jahr entgegengelaufen sind. Sie alle haben eine Sache gemeinsam: 2019 war nicht so, wie es hätte sein können (und sollen), aber 2020 wird alles besser werden. So die These zumindest. Doch genauer betrachtet fällt auf, dass viele dieser Menschen dieselben Wünsche schon beim letzten Silvester geäußert haben. Das muss ja eine echte Unglückssträhne sein…

Oft genannte Minuspunkte des vergangenen Jahres sind die miese Hack’n, der man so nachgeht, der, wenn vorhanden, schlechte Sex oder gleich das tiefergehende Problem einer lieblosen Beziehung. Geld ist sowieso nie genug da, und wenn doch, dann ist aber alles so teuer, dass es doch wieder zu wenig ist. Alles in allem kann einem ein Mensch, dem das alles widerfährt, schon leidtun. Oder könnte. Ohne Frage, man hat nicht alles in der Hand, und jedem, der einen Schicksalsschlag hinnehmen musste, dem wünsche ich, dass im neuen Jahr wirklich alles besser wird. Aber das sind die wenigsten.

Viele Menschen machen sich Vorsätze mit sich selbst aus, die sie dann die erste Januarwoche mehr schlecht als recht erfüllen und dann wieder ad acta legen. Dafür hätte man nicht 3 Monate warten müssen. Es liegt aber nicht an der Inkonsequenz des bemühten Individuums – nicht immer – sondern der unüberlegten und zu hoch gegriffenen Zielsetzung. Wenn bislang der Weg zum Kühlschrank ein zu weiter war, dann wird der tägliche Halbmarathon wohl kaum aufrechtzuerhalten sein. Und wer am Tag ein halbes Schwein isst und dazu vier Liter Cola trinkt, der wird wohl kaum über Nacht als Veganer glücklich werden, auch wenn der so gehasste Hüftspeck vielleicht dahinschwinden würden. Natürlich kann man sein komplettes Leben umkrempeln, wenn man das will, doch für den Anfang reicht auch ein Schritt in die richtige Richtung. Zwei Mal joggen pro Woche mit dem Partner oder der Partnerin, nur jeden zweiten Tag Fleisch und zwischen den Softdrinks auch einmal ein Glas Wasser.

Realismus, das wäre einmal ein Vorsatz. Nüchtern und sachlich in die Zukunft schauen, die Dinge, die einem im Leben nicht passen selbst in die Hand nehmen und das am besten schon gestern statt morgen. Es wird Zeit etwas zu tun, und nicht nur zu lamentieren. Die Welt steht uns offen, man muss sie nur noch erobern. Und das, meine Freunde, ist mein Vorsatz… nächstes Jahr dann.

Bis dahin wünsche ich allen Menschen ein gutes, neues Jahr und hoffe, dass jeder die Kraft findet, die ersten Schritte zu setzen, denn die sind immer die schwersten.

#Walrus.Joey